Bei unseren Aktivitäten in Dacia lernten wir viele nette Leute kennen und erfuhren so manche Geschichte.

So auch die der Familie Boldizsar mit Ihren bis dahin noch 9 Kindern, die wir alle kennen lernten und die uns irgendwie ans Herz wuchsen. Lenuza, die Mutter, war schon wieder schwanger und sie sollten noch vor dem Winter aus Ihrer Behausung ausziehen …. Aber wohin, es fehlt an allem …. Also suchten wir auf die schnelle private Spender die uns wenigstens den Transport sponsoren und fanden bei einem Pirnaer Schalungsbedarfgroßhändler einen Spender für das Haus. Damit war die Aktion Casa pentru Copi – „Haus der Kinder „ geboren und der Traum von einer vernünftigen menschenwürdigen Unterkunft, die auch den kalten (-30C) und harten rumänischen Winter stand hält, wurde für unsere kleinen Freunde und deren Eltern greifbar.

Im Sommer begann nun unter der Leitung von Michas Fastschwiegervater Günther in akribischer Arbeit

der Bau des Hauses in handliche Abpackungen. Dies war notwendig da die Suche nach einer Spedition aufgrund des Preises und der Unrentabilität erfolglos war, und somit das Material auf zwei PKW Anhängern transportiert werden musste. Der erste Teil des Unternehmens wurde perfekt gelöst (und wie sich später herausstellte wurde auch wirklich nichts vergessen) und das gesamte Haus am 21.10. auf die zwei Anhänger verstaut.

Am Samstag wurde ein Seat Marbella noch entgültig fahrtüchtig gemacht, der dafür bestimmt ist dass die Mitarbeiter der Sozialstation die Fahrten nach Viscri, Rupea, Fiser, etc. unkompliziert und sicher absolvieren können.

Nachdem dieser Stress vorbei war ging es am Sonntag früh 6 Uhr in Pirna los. Der Mangel an Mitfahrern ergab, dass 4 Leute die 3 Fahrzeuge über 1400km bewegen mussten. So kam es, dass Micha und ich jeweils ein Fahrzeug allein bewegten und somit bei einem angenehmen Reisetempo Zeit hatten über Sinn der Tätigkeiten und die Anziehungskraft von Rumänien und vieles mehr nachzudenken. Mein Bruder Mike und mein guter Bekannter Torsten fuhren zusammen und konnten gemeinsam den Einstieg in die für sie noch fremde Welt angehen.

Doch fast bis kurz vor das Ziel stimmten meine Erzählungen noch nicht – die Straßen waren noch relativ passabel und die Häuser ansehbar. Aber das Bild sollte sich kurz vor dem Ziel ändern, als die beiden nach dem Abzweig Reps Richtung Dacia zum „Ende der Welt" blickten (das neblige und regnerische Wetter unterstützen diesen Eindruck noch).

Die Straßen wurden nun holpriger und asphaltloser, dafür mit Schlamm und Kuhdreck „gezuckert", das Wasser musste einige Meter vom Begegnungshaus entfernt geholt werden und nach der Benutzung gab es halt keinen Abfluß... dann noch das leidige Problem mit der Körperpflege und der Entsorgung der verdauten Nahrung...

Micha und ich wussten, dass dies notwendige Begleiterscheinungen sind, um die Anziehungskraft der Gegend und der Menschen erneut zu erleben. Mike und Torsten lernten dies über die Zeit auch kennen und denken nach der Reise genauso.

So viel zur Hinfahrt – nun war man halt da und lernte Anya, die neue Bewohnerin des Predigerhofes, kennen, beschaute sich das Baugrundstück und war froh, dass das Fundament noch auf dem Grundstück stand. Nach der ewigen Prozedur mit dem Bier kaufen aufgrund des fehlenden Pfandsystems, ging es nach dem Abendbrot und ein paar Kennenlerngesprächen mit Anya sowie Wiedersehensgesprächen mit Bine nach der 1 ½ -tägigen Anreise bald ins Schlafgemach.

Da sich nun mit dem Dienstag die Woche zum Ende neigte, beschlossen wir nach gemütlichem Frühstück mit der Arbeit zu beginnen: Kjusi, der Vater der Kinder, und Herr Konnerth wurden abgeholt und mit letzter Kraft, Differentialsperren, Untersetzungen etc. erreichten wir trotz des schlechten Weges mit dem ersten Anhänger die Baustelle. Ein Blick mit der Wasserwaage auf das Fundament bestätigte die Gedanken des Vortages und dass dieses Werkzeug hier keine Anwendung gefunden haben kann. Zum Glück passten die Umrißmaße, so dass der Bau endlich beginnen konnte.

Nachdem das schiefe Fundament ausgeglichen war (an der ungünstigsten Stelle war es bis zu 24 cm falsch ), wurden die vorgefertigten Elemente aufgestellt und binnen zwei Tagen stand der Rohbau bis hin zum Dachstuhl (was im Dorf ein Riesenerstaunen hervorrief...).

Das Arbeiten mit Kjusi wurde auch immer besser. Man hatte sich auf eine Sprache geeinigt die sich auf die Worte „gut", „sehr gut", „dort", „hier" und Handzeichen beschränkte, aber es funktionierte. Wir merkten auch dass er einiges gelernt hat, z.B. Dinge nicht einfach so zu tun, sondern vorher zu überlegen was der nächste Schritt ist und die Frage kam schon auf, warum er manchmal so ein komplizierter Mensch ist... . Diese Frage wird durch viele verschiedene Antworten hervorrufen, aber dass können wir nicht beeinflussen und nur für ihn einen Denkanstoß geben und ein klein wenig vorleben, dass es mit Wille und ohne Alkohol auch geht.

Nach zwei Tagen Rohbau ging es nun an die unschöneren Arbeiten. Das Dach wurde gedeckt, alle möglichen Flächen gedämmt, das Haus von innen mit Brettern verschlagen (wobei wir sogar tatkräftige Unterstützung von Anya erhielten), Deckenplatten angebracht, Elektrik verlegt (die Effekte die daraus resultierten gaben große Freude bei Kjusis Familie) und und und....

Am letzten Tag stand das größte Problem an – der Schornstein! Das war wieder eine Aufgabe für unseren Baumeister Torsten, der dies an einem Tag schaffte und bei Temperaturen um die Null Grad, Freitag Nacht um 10 Uhr den letzten Teil des Hauses vervollständigte. Ein kleines Malheur zwang uns dann dazu am Samstag noch eine Arbeitsschicht einzulegen. Der Anziehungskraft von Dacia zu verdanken, wurde am Samstag Nachmittag, nach der Schlüsselübergabe der leider zu kurz gekommene kulturelle Teil der Fahrt genossen. Mit Anya, Bille und Elli besichtigten wir die Kirchenburg in Viscri, begutachteten beim Tischlermeister Helmut Wagner in Bunesti die Werkstatt und sahen Schässburg bei Nacht (und nobel gespeist – naja eher der Anschein sollte so sein...).

Am Sonntag war es dann schwierig wegzukommen, da man einige Leute im Dorf kannte und diese uns auch ins Herz geschlossen hatten. So bedankten wir uns noch bei Virginia und Pavel für das sehr feine Mittagessen und die herzliche Einladung und nahmen „do Anschi" die besten Grüße mit nach Deutschland. Sehr ergreifend war dann der Abschied von Kjusis Familie. Diese freudigen aber auch zukunftsängstigen Kinderaugen, ein Vater, der selbst zu Tränen gerührt ist und von sich aus zu Herrn Konnerth geht mit der Aussage, dass die Hausübergabe der schönste Tag in seinem Leben war und eine Mutter, die sich zehn mal bedankt und mit einem wunderbaren Kuchen ihre Anerkennung zeigt ... .

Doch schon beim Gehen wird man wieder in die kalte Realität zurückgerufen und vor dem Hoftor steht ein Unbelehrbarer der zum Sonntag schon wieder auf menschenunwürdigste Weise die Dienste von Kjusi verlangt. So viel zum Thema, dass die Familie eine Chance bekommt sich zu bessern... .

Danach haben wir die Heimreise angetreten die Dank der Anhänger zu einem Reisetempo zwangen, das wieder Zeit für Gedanken und intensive Gespräche lies.

Sicher in Deutschland angekommen hat man wieder viele Gedanken um sich - nur averschieden zur Hinfahrt: Wie soll es weitergehen mit der Familie und den Kindern? Hat die Aktion auch die Leute vorangebracht oder nur uns eine Woche aus dem deutschen Alltag entfliehen lassen? Wird das Haus auch so gewürdigt wie man Arbeit reingesteckt hat? Warum funktioniert alles auch wenn die Uhren ruhiger gehen? Warum kann man auch ohne übermäßigen Wohlstand leben und glücklich sein? Kann man wieder so etwas unternehmen oder holt einen der Arbeitsalltag so ein, dass keine Zeit ist wieder so eine Truppe zusammenzustellen?...

Aber die eine Frage von der Hinfahrt bleibt: Was ist die Anziehungskraft an dem Land Rumänien?

Schön festzustellen ist aber auch , dass die Arbeit der Freiwiligen, die in Dacia wirken, Früchte trägt und dass es ihnen auch Spass macht. Von uns kommt die Bewunderung, dass sie es dort durchhalten. Also Anya noch viel Kraft und Wärme für den harten Winter!!

Auf ein Wiedersehen in Stein!

Eiko/2005